Am Wochenende 5.-7. Juni fand unser gemeinsamer Helgolandtörn statt. Die theoretische Vorbereitung „Navigation im Tidenrevier“ hatten wir bereits im Winter besprochen.
Ein kurzes Briefing noch am Donnerstagabend, dann gings bei noch eben gegenlaufender Tide gen Glückstadt. Kai Schelle´s Lilli (mit 3 L!) mit mir an Bord und Lea Heitmann´s Martinka mit ihren Söhnen Jesse und Bennet, sowie den Cohrsbrüdern Fabian und Christopher quasi im Formationsflug. Ein schöner Segelabend in den Sonnenuntergang – wir mit wenig Tiefgang (1,10m) durch´s Kartoffelloch, Martinka oben um die Rhinplate rum. Anlegebier und gute Nacht.
Lange Kreuz zum Großen Vogelsand

Freitagmorgen kurzes Wetterbriefing – Südwest Stärke 4 – passt, los geht’s. Der Südanteil im Südwest fällt leider aus. Volle Kreuz von Brunsbüttel bis Cuxhaven, Lilli wühlt sich ordentlich durch Wind gegen Strom. Martinka kann mehrfach ihr blankes Antifouling bewundern, bevor sie im Wellental verschwindet. Damit keine Chance mehr mit einer Tide aus der Elbe rauszukommen. Zum Dank dafür gab´s vor Cuxhaven dann ein heftiges Gewitter mit Hagelschauer, null Sicht und 35 kn Wind. Die Wellen waren sofort plattgedrückt. Aber nix passiert. Wie abgesprochen gehen wir auf der Nordseite aus´m Fahrwasser raus und kreuzen eine komplette Tide unterm Großen Vogelsand aus. Da wird Neuwerk zur Inselkette.
Irgendwann erreichen wir endlich Tonne 10 und fallen auf 290° gen Helgoland ab – Segel auf und Abfahrt. Abends schläft der Wind ein, die letzten 90 Minuten muß der Trecker ran. Gegen 21:00 Uhr sind wir fest in einer Box, Martinka liegt bereits am Längsschlengel Südhafen. Schnell noch auf´n Anlegebier in die Bunte Kuh und Gute Nacht.
Sonnabend Hafentag mit Körperpflege (Duschen nur für Menschen mit Münzen!), Inselrundgang, Shopping und 200-Jahre-Seebad-Feier. Die Martinkanier erobern noch die Düne. Wir halten Leinenwache und scannen unsere Augenlider auf Beschädigungen…
Schnelle Rückreise bei Starkwind

Sonntagmorgen 8.30 Uhr dann zurück. Windvorhersage WSW 6-7 Bft. Ist heftig, aber aus der richtigen Richtung. Im Südhafen liegt eine entmastete Yacht und mahnt alle zur Vorsicht. Wir binden noch im Vorhafen ein Reff ins Groß und setzen Kurs 135° ab. Lilli kämpft tapfer und stürmt mit Rumpfgeschwindigkeit gen Aussenelbe. Wir grooven uns ein, Kai kriegt kaum das Grinsen aus’m Gesicht. Die Wellenhöhe erreicht 2,50m, Lilli geht mehrfach inne Glitsch über 7 kn. Querab Reede Helgoland scheppert´s heftig, wir werden richtig zur Seite geschleudert und der Blanke Hans füllt Lilli´s Cockpit – Quereinsteiger eben. Tut dem Spaß aber nix. Zwischen Tonne 6 und 8 erreichen wir die Elbe.
Verkehrslage passt – gleich rüber. Äääh – doch nicht ganz. In Fahrwassermitte gehen wir Kurs elbauf und lassen einen Feeder passieren, der so ´ner AIDA-Legebatterie folgt. Danach ab auf die grüne Seite. Die Elbe kocht mittlerweile bei Böen bis 8. Lilli fliegt mit mehrfach über 8 kn gen Cux, Neuwerk ist nur eine Insel!
Nach der Kugelbake wird’s seegangsmäßig ruhiger, wir schütten das Reff aus. Höhe Altenbruch starten wir Regatta mit zwei 34-Fuß Pansen die sich von ihren völlig vertrimmten Genuas ziehen lassen. Bei Otterndorf werden sie hinter uns kleiner. Ab Brunsbüttel darf die Fock dann mit ran, es rauscht und gurgelt immer noch hinter Lilli. Langsam muß Martinka doch in Sicht kommen. Die waren in der Aussenelbe nur 3 Tonnen vor uns.
Mit der Flutwelle gen Heimathafen

Rhinplate Süd ist der Spaß dann, bei nachlassendem Wind, vorbei. Ab Kleiner Kohn muß sogar noch der Diesel helfen, um Finkenwerder mit der Flutwelle zu erreichen. Wir werden von Martinka winkend begrüßt und binden die wilde Lilli (mit 3L!) um 21:00 im Stall fest.
Ein schönes Wochenende mit netten Vereinskameraden endet mit einem fantastischen Segeltag.
Danke an Alle!
Text und Fotos: Jörn Otromke

