Als Arne und ich Marlin Pfingsten 2025 in der Brassfahrt-Regatta zum Gruppensieg und Platz 5 über Alles gescheucht hatten, sagte Arne gleich: „Der Zossen läuft, da ist ne Nordseewoche fällig!
Gesagt, getan – unser Kumpel Jörg hat auch gleich zugesagt. Wir segeln seit über 20 Jahren gemeinsam, haben 2007 das BlueRace über den Atlantik von Newport nach Hamburg gesegelt (Platz 2 nach IRC).
Zu dritt bringen wir also 183 Lebensjahre und 150 Jahre Segelerfahrung an den Start. Schnell noch den Meßbrief ORC-C optimieren. Ich lasse Genua 140% und den 90m²-Spi rausrechnen – Schwachwind ist auf der Nordsee nie…
Das Boot ist mit der italienischen Segel-Nr ITA 141100 bereits auf Manage2Sail registriert und der Meßbrief kommt auch pünktlich Ende April – mit deutscher Segelnummer! Alle Einsprüche sind zwecklos, der DSV (Deutscher Segelverhinderungsverband) bleibt hart. Ich hab die Schnauze voll und ziehe meine Meldung (Meldegeld 450,-€!) zurück. Erst ein persönliches Gespräch mit Wettfahrtleiter Marcus Boehlich bringt die Lösung. Danke Marcus! Also Boot leerräumen und Auto vollstopfen bis unters Dach.
Wettfahrten mit kleinem Vorsegel
Die Freitagwettfahrt Wedel-Cuxhaven geht – flautebedingt – unter Motor bis zur Störmündung. Dort soll eine Kurzwettfahrt bis Brunsbüttel Außenreede gesegelt werden, um überhaupt eine Wertung zu erhalten. Wir vertrödeln mit einigen anderen den Start und kommen gegen den Ebbstrom nicht zurück zur Startlinie – nach 30 Minuten geben wir auf = dnc. Unseren Streicher haben wir also schonmal… Ich fluche auf das kleine Vorsegel.

Sonnabendmorgen dann Cuxhaven – Helgoland. Wir sind hellwach, hoch motiviert und wild entschlossen. Der Start klappt ziemlich gut. Wir können uns bei 3 kn Wind (in Böen 5kn) gut freifahren und unsere Gegner kontrollieren. Wir beobachten Wind und Stromkanten aufmerksam und können entwischen. Wir werden gesegelt Erster, am Ende reicht es aber nur für Platz 3 berechnet. Ich fluche auf das kleine Vorsegel.
Sonntagmorgen dann Start Rund Helgoland. Wir haben uns eine Starttaktik zurechtgelegt um mit unserer kleinen Fock, die ganzen X-332 mit Genuas von leewärts mit Höhe anzugreifen. Arne findet in der Vorstartphase jedoch DIE Lücke und wir hämmern als zweite Yacht direkt am Startschiff über die Linie – mit 3,5 kn Bootspeed bei 1 – 4 kn tws. Ich fluche auf das kleine Vorsegel.

Mit sehr guter Höhe am Wind runden wir als Erster aus der Startgruppe die Luvtonne – Spi hoch und Abfahrt. Mit dem abziehenden alten Wind geht bei uns die Post ab, der Rest des Feldes verhungert im Öl.
Ich liebe mein kleines Vorsegel. Auf dem folgenden Am-Wind-Gang können wir in Höhe und Geschwindigkeit die Verfolger kontrollieren – mein geliebtes kleines Vorsegel läßt sich enger schoten als die übermessenen Lappen der Xen. Bei Helgoland West dann abfallen auf geschrickte Schot; ich fluche auf das kleine Vorsegel. Aber wir positionieren uns taktisch klug sehr weit luvwärtig des Feldes, so daß die großen Koffer die jetzt kommen, alle in Lee unter uns durch müssen. Wir verkaufen unser Fell teuer. Ich liebe mein kleines Vorsegel. Auf dem abschließenden Spigang Richtung Düne kontrollieren wir perfekt die Verfolger, zwingen ihnen Halsen auf und können uns auf der windbevorteilten Seite am Fuselfelsen behaupten. Wir gehen als Gruppenerster über die Ziellinie.

Vier Preise, Helgoländer Acht und Rückreise
Abends dann große Regattafete mit Preisverleihung. Schon auf dem Weg dahin gratuliert uns eine X-332 Crew zum Sieg über alle Klassen ORC-C. Wir bimmeln uns gemütlich einen rein und schleppen gesamt 4 Preise an Bord!
Montagmorgen Start zur Helgoländer 8 – jetzt haben uns mit mal alle auf’m Schirm! Auch die Racer haben gemerkt, dass der komische blaue Toureneimer mit den Itaker-Plünnen und der bezopften Blondine am Rohr einigermaßen in Wallung kommt. In der Vorstartphase wird´s – ich sag` mal: kuschelig. Nachdem uns alle anderen Yachten ihre Zuneigung versichert haben, klappt der Start ohne Rückruf. Wir sind allerdings bei leichtesten Winden zwischen den Großen eingeklemmt. Ich fluche auf den kleinen Spi. Wir können uns freifahren, finden den Windstrich vom Vortag unter´m Felsen und können den Spi bei 70°awa gerade noch tragen. Ich liebe meinen kleinen Spi. Die Wettfahrt ist windbedingt deutlich verkürzt und wir können so´n 54-Füßer nicht halten. Ich fluche auf das kleine Vorsegel. Zwischen Helgoland und Düne verschläft der große Pansen jedoch den Gegenstrom; wir können ihn im flachen mit mehr Höhe auskontern. Ich liebe mein kleines Vorsegel. Wir passieren die Ziellinie 1 Minute vor ihm – gesegelt Zweiter. Berechnet am Ende auch.
Die Rückregatta Helgoland-Cuxhaven geben wir flautebedingt nach 2 Stunden auf. Wir müßen die Flutwelle nach Hamburg unter Maschine erreichen.
Fazit und Crew
Alles in allem ein tolles Wochenende mit bestem Wetter, tollen Kameraden, anspruchsvollem Segeln und letztlich verdientem Erfolg. Gottseidank gibt es nie Schwachwind auf der Nordsee…
Jörn Otromke: Skipper / Vorschiff + „Raum“-Brüller
Arne Ipsen: Steuermann / Großtrimmer + Skipperflüsterer (Oohhmm!)
Jörg Posny: Taktiker/Steuermannflüsterer, Spi-/Genuatrimmer + Pit
Text: Jörn Otromke
Fotos: Hinrich Franck

